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Geschichte

Jahrhundertelang wurden wohlhabende Bürger Lübecks in erblichen Gewölben in den Kirchen bestattet. Davon zeugen noch heute alte Grabplatten in den Fußböden und an den Wänden der Kirchen. Die armen Bürger wurden außerhalb der Kirchen, und zwar unter dem die Kirchen umgebenden Pflaster oder in Sandgräbern, beerdigt. Eine Ausnahme galt für die Pesttoten. Sie wurden vor den Toren Lübecks auf eigens zu diesem Zweck errichteten Friedhöfen bestattet.

Bereits 1290 gab es vor dem Mühlentor zur Isolierung der Lepra-Kranken in Lübeck ein Siechenheim mit der angrenzenden St. Jürgen-Kapelle und einem eigenen Gottesacker. Auf diesem Kirchhof beerdigte man die Toten des Heimes.

Im Jahre 1373 grassierte in Lübeck die Pest. Aus hygienischen Gründen konnten die Opfer nicht auf den Kirchhöfen innerhalb der Stadtmauern bestattet werden. Um den Bedarf nach Grabstätten befriedigen zu können, war der Bau eines weiteren Friedhofs außerhalb der Stadtmauern erforderlich. So wurde noch im selben Jahr vor dem Burgtor auf dem Gebiet der heutigen Wallanlagen der auch „Pockenfriedhof“ genannte Seuchenfriedhof St. Gertrud errichtet. Ein Pockenhaus und eine Kapelle waren angegliedert.

Aufgrund der großen Pest von 1597 mussten kurzfristig ca. 7.000 – 8.000 Verstorbene bestattet werden. Aus diesem Grund wurde auf dem Knochenhauerwall vor dem Holstentor der heutige St. Lorenz-Friedhof errichtet. 1604 wurde erstmalig von der Stadt eine Begräbnisordnung beschlossen, der damalige Vorläufer der heutigen Friedhofssatzung und Friedhofsgebührensatzung.

Juden durften seinerzeit weder in der Stadt wohnen noch dort begraben werden. Sie wohnten in Moisling, wo sie eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof hatten, der noch heute besteht.

Der St. Gertrud-Friedhof wurde mit Pockenhaus und Kapelle im Jahre 1622 auf das heutige Gelände der Jugendherberge und der Dorothea-Schlözer-Schule verlegt.

Der zum Armenhaus des St. Annen-Klosters gehörende St. Annen-Friedhof wurde 1635 auf dem Gebiet des heutigen Mühlentorplatzes errichtet. Die Hinterbliebenen brauchten für eine Bestattung auf im „De Arme Lüds Karkhof“ genannten Friedhof nichts zu bezahlen. Zum Unterhalt dieses Friedhofs erhielt das Armen- und Werkhaus gemäß einer Ratsverordnung von 1704 einen jährlichen Zuschuss von 450 Curantmark.

1644 musste der damalige St. Jürgen-Friedhof wegen der Erweiterung und Verbesserung der Stadtbefestigung geschlossen und aufgelöst werden. Bereits ein Jahr später, 1645, wurden an derselben Stelle die St. Jürgen-Kapelle und der Friedhof an der Ratzeburger Allee, an der sie sich noch heute befinden, neu errichtet.

In den neu gegründeten Logen begannen einige Ärzte 1772 mit einer Kampagne gegen Beerdigungen in der Innenstadt, die aber in der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe stieß.

Im Jahre 1802 verloren die Fürstbischöfe das Sonderrecht, im Dom bestattet zu werden. Die Kriegswirren durch die Schlacht bei Lübeck im Jahre 1806 führten zu vielen Toten, die unmöglich alle innerhalb der Stadtmauern beerdigt werden konnten. Am 17.09.1806 wurde eine Ratsverordnung verkündet, die aus sanitären Gründen jegliche Bestattung innerhalb der Stadtmauern verbot. Dieses Verbot stieß in einigen Gesellschaftsschichten, besonders innerhalb der Handwerker, auf wenig Verständnis, da den Handwerkern sehr daran gelegen war, auch künftig in den Korporationsgräbern in den Kirchen beerdigt zu werden.

Fast genau ein Jahr später, am 18.09.1807, wurde dieses Verbot wieder aufgehoben, weil es weder Entschädigungslösungen für die Bestattungsrechte in den Kirchen noch genügend Platz auf den Vorstadtfriedhöfen gab. Denn nur der 1808 erweiterte St. Annen-Friedhof vor dem Mühlentor bot neue Bestattungsmöglichkeiten außerhalb der Innenstadt. Mit Beginn der Franzosenherrschaft am 01.01.1811 wurde vom französischen Präfekten das amtliche Sterberegister eingeführt. 1812 erließ der französische Präfekt erneut das Verbot von Beerdigungen innerhalb der Stadtmauern. Aber auch dieses scheiterte, da noch im selben Jahr das besetzte Lübeck durch den schwedischen Thronfolger General Bernadotte befreit wurde.

Für die seinerzeit rund 26.000 Einwohner Lübecks gab es in der Innenstadt nur ca. 3.530 Gräber, davon 1.814 in den Kirchen und 1.716 Grabstätten auf den zusammen etwa zwei ha großen Kirchhöfen, in denen mangels Größe teilweise fünf bis sechs Särge übereinander bestattet wurden. Die Kirchhöfe waren überwiegend mit Kopfsteinpflaster bedeckt; sie wurden auch für Märkte und andere Veranstaltungen genutzt. Diese Art der Bestattung führte dazu, dass die hygienischen Zustände in der Innenstadt immer katastrophaler wurden. Dies versuchten vor allem Lübecks Ärzte dem Senat immer wieder klar zu machen. Sie drängten weiterhin, die Bestattungspraxis in der Innenstadt endlich zu ändern. Lübecks Kirchenfürsten und Kaufleute erhoben jedoch Widerstand und verteidigten ihre Bestattungsprivilegien in den Kirchen vehement. Dennoch beschloss der Senat am 02.08.1828, vor dem Burgtor einen Friedhof, den „Allgemeinen Gottesacker“ zu errichten. Es handelt sich um den heutigen Burgtorfriedhof.

Der Widerstand gewisser gesellschaftlicher Kreise gegen die Bestattung vor den Türen Lübecks ließ jedoch nicht nach. Erst nachdem 1832 eine Choleraepidemie ausgebrochen war, wurde das Verbot der Bestattung innerhalb der Stadtmauern wieder aufgegriffen und endgültig in Kraft gesetzt. Am 19.07.1832 wurde der „Allgemeine Gottesacker“ vor dem Burgtor eingeweiht. Im selben Jahr wurde der St. Annen-Friedhof geschlossen. Auch die ärmeren Bürger mussten nun auf dem „Allgemeinen Gottesacker“ beerdigt werden. Seit dem Ausbau des Mühlentorplatzes, bei dem auch das gemauerte Eingangstor des St. Annen-Friedhofs abgerissen wurde, erinnert nichts mehr an den einstigen St. Annen-Friedhof.

Am 20.07.1834 wurden Totenscheine in der heutigen Form eingeführt. Ein Arzt musste bescheinigen, dass der Verstorbene eines „wirklichen und natürlichen“ Todes gestorben sei. Erst danach durfte der Verstorbene beerdigt werden.

Bereits 1904 wurde in Lübeck ein „Verein für Feuerbestattung“gegründet. Doch erst am 21.07.1909 bewilligte die Lübecker Bürgerschaftden Antrag des Senats auf Errichtung eines Krematoriums auf demVorwerker Friedhof. 1910 wurde auf dem Vorwerker Friedhof mit dem Baudes Krematoriums im hinteren Teil des Vorwerker Friedhofs begonnen; der„Verein für Feuerbestattung“ förderte den Bau finanziell.

DasKrematorium wurde im Stil einer ländlichen Vicelinkirche errichtet. Eswurde am ersten Pfingstfeiertag der Öffentlichkeit im Rahmen einesTages der offenen Tür vorgestellt und ist am 17.05.1910 mit derTrauerfeier und der anschließenden Einäscherung der in Lübeckverstorbenen Gräfin Baudissin in Betrieb genommen worden. Seinerzeitwurde noch der Sarg der Verstorbenen im Anschluss an die Trauerfeierdirekt in den Verbrennungsraum abgesenkt. Für eine Einäscherung wurdenetwa acht Zentner Koks benötigt.

1913 wurden die Gebeine aus den Kirchengrüften geräumt und auf den St. Gertrud-Friedhof umgebettet. Der St. Gertrud-Friedhof wurde jedoch bereits am 07.09.1927 entwidmet und geschlossen. Einige der wertvollen Grabdenkmale dieses Friedhofs wurden auf dem Burgtor- bzw. Vorwerker Friedhof aufgestellt. Damit bleibt heute als Erinnerung an diesen jahrhundertealten, ehemaligen Friedhof nur noch die Straße „Am Gertrudenkirchhof“.

Wegen Kohlenmangel stellte das Krematorium am 14.11.1944 nach bis dahin6.087 vorgenommen Einäscherungen seinen Betrieb ein und konnte ihn erstam 18.04.1950 wieder aufnehmen.

1982 gibt die Hansestadt Lübeck die bis dahin auch in Eigenregie als Konkurrenz zu den Friedhofsgärtnern durchgeführte Neuanlage und Pflege von Grabstätten auf.

1998 wurde das Krematorium für umgerechnet ca. 3 Mio. Euro umgebaut. ImZuge der 27. Bundesemmissonsschutzverordnung wurden dabei auch beideÖfen mit Filteranlagen ausgestattet. Dabei wurde u. a. dasVerbrennungsluftsystem erweitert. Das Krematorium ist jetzt mitmodernster Technik ausgestattet und erfüllt sämtlicheUmweltschutzvorschriften. Es wird ständig weiter modernisiert und anden neuesten Stand der Technik und die entsprechendenUmweltschutzvorschriften angepasst.

Am 01.01.2008 gibt die Hansestadt Lübeck den St. Lorenz Friedhof zurück in die Verwaltung der Kirchengemeinde St. Lorenz.

Mit Beschluss vom 04.03.2008 wird die Verkleinerung der Friedhöfe Vorwerk und Waldhusen eingeleitet: Während Randflächen des Vorwerker Friedhofs zum 01.01.2011 außer Dienst gestellt werden, werden auf den Flächen des Friedhofs Waldhusen hinter der Bahnstrecke mit Ausnahme zweier Sondergrabfelder keine Wahlgrabstätten mehr neu vergeben.

Am 24.09.2009 beschließt die Bürgerschaft den Verkauf des städtischen Krematoriums an die Firma Feuerbestattungen Schleswig-Holstein GmbH, die bereits Krematorien in Kiel und Tornesch betreibt. Die Übergabe und damit Privatisierung erfolgen zum 02.11.2009.

Am 14.07.2010 wird auf dem Vorwerker Friedhof der „Garten der Besinnung“ eingeweiht. Dabei handelt es sich um zwei bestehende, weitgehend leere Grabfelder, die neu überplant wurden, um dort pflegefreie Grabstätten in Form von bepflanzten und abgedeckten Urnenwahlgräbern und Urnenreihen-Stelengrabstätten anzubieten.

Im Jahre 2010 beginnt der Umbau der 1907 fertig gestellten alten Leichenhalle zu einem Kolumbarium. Das Kolumbarium wird am 09.03.2011 von Herrn Senator Boden eingeweiht. Beim Kolumbarium handelt es sich um pflegefreie Grabstätten in einer Urnenhalle.

Im Februar 2012 wurde mit dem Bau eines zweiten jüdischen Friedhofs auf einer nicht mehr benötigten Fläche des Vorwerkers Friedhofes in der Nähe des Einganges 3 begonnen.

Der zweite Bauabschnitt des „Gartens der Besinnung“ und die neuen Urnenrasengräber auf dem Vorwerker Friedhof werden ebenso wie der neue „Garten der Besinnung“ und die neuen Urnenrasengräber auf dem Friedhof Waldhusen im Juni 2012 fertig gestellt.

Mit Beschluss vom 26.02.2015 wird die Verkleinerung der Friedhöfe Vorwerk und Waldhusen fortgesetzt: Zum 01.01.2031 werden auf dem Vorwerker Friedhof die ersten Erweiterungsflächen mit Ausnahme der Kriegsgräberblöcke und der Urnenrasengräber und auf dem Friedhof Waldhusen die Flächen hinter der Bahnstrecke mit Ausnahme des muslimischen Grabfeldes für weitere Bestattungen geschlossen.